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Kirche&Religion

Vom Gefühl der Einsamkeit und dem Recht auf Alleinsein

Frauen in großer Runde.
45 Frauen aus Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herford, Herne, Höxter, Iserlohn, Minden, Paderborn, Recklinghausen, Steinfurt, Soest, Tecklenburg, Vlotho und Wattenscheid reflektierten die Situationen von Einsamkeit und suchten nach Möglichkeiten und Alternativen.

Soest/Westfalen. In vielen Medien und auch wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird Einsamkeit als Volkskrankheit beschrieben. Die diesjährige 2tägige Herbstkonferenz der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen Anfang November in Soest beschäftigte sich mit diesem Thema. Unter dem Titel: „Es ist (nicht) gut, dass der Mensch allein sei…?! Vom Wesen der Einsamkeit, ihren Möglichkeiten und Alternativen“ wurde im Verlauf der Tagung den Fragen nachgegangen, was genau Einsamkeit ist, ob – und wenn ja, wie – sie sich vom Alleinsein unterscheidet. Die mehr als 45 Frauen aus Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herford, Herne, Höxter, Iserlohn, Minden, Paderborn, Recklinghausen, Steinfurt, Soest, Tecklenburg, Vlotho und Wattenscheid reflektierten die Situationen von Einsamkeit und suchten nach Möglichkeiten und Alternativen.

Dr. med. Christiane Ihlow hob zu Anfang hervor, dass Gemeinschaft bereits seit der Steinzeit für Menschen stressreduzierend und eine Quelle des Wohlbefindens gewesen sei. Allein unterwegs zu sein, war damals schon nachteilig, um sich gegen Raubtiere zu verteidigen oder nachts ohne weitere Wärmequelle zum Schlaf nieder zu legen. Die Chefärztin für Psychosomatik an der „Dr. Becker Klinik“ am Möhnesee stellte die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vor und machte deutlich: „Einsamkeit ist vor allem ein Gefühl und wenn sich dieses manifestiert, kann sie zu einer Krankheit werden.“

Das Gefühl der Einsamkeit wird auch von Anrufenden bei der Telefonseelsorge thematisiert. Patentrezepte dagegen konnte Michael Grundhoff zwar nicht mitteilen, obwohl die Telefonseelsorge viele Anrufe von einsamen Menschen erhält. Der stellvertretende Leiter der Telefonseelsorge Hamm empfahl, sich deutlich zu machen: „Sorgen kann man teilen, Schritte muss man gehen.“ Hauptfunktion der Telefonseelsorge sei, die Menschen ihre Probleme aussprechen zu lassen und ihnen eine Resonanz zu geben. Das bedeute, sie zu verstehen, ohne ihnen Lösungen vorzulegen. „Oftmals wissen die Anrufenden nicht, dass ihr eigentliches Problem die Einsamkeit ist.“ Stattdessen erzählen sie von alltäglichen Konflikten, in denen deutlich werde, dass sie den direkten Kontakt meiden. Die ehrenamtlichen Seelsorgenden am Telefon oder Chat hätten die Ohnmacht auszuhalten, da die Anrufenden keine Lösung präsentiert bekommen wollen. „Wir stellen eine Beziehung her und bieten keine schnelle Lösung.“

Texte in der Bibel belegen, dass Einsamkeit nicht erst ein Phänomen heutiger Zeit ist, sondern zum Menschsein gehört. Das die Bibel voller Geschichten über die zahlreichen Facetten von Einsamkeit ist, zeigte Pfarrerin Angelika Weigt-Blätgen auf. Die Leitende Pfarrerin des Frauenverbandes wies darauf hin, dass es auch in der Bibel nicht eine einzige Lösung oder ein einziges Trostwort für Einsamkeit gäbe. Ob einsam, allein sein, in die Stille gehen oder verlassen sein – die biblischen Texte erzählen davon, das jeweilige Leid ernst zu nehmen und den Menschen in allen Facetten, in seinen Entscheidungen und Situationen wahrzunehmen und zu würdigen. „Der Trost gilt, welche Facetten von Einsamkeit es auch immer gibt: Gott kennt all das und geht mit seinen Menschen.“

Sechs Alltags-Situationen für erlebbare Einsamkeit und deren mögliche Behebung wurden im Anschluss an die Bibelarbeit in Gruppen diskutiert. Herausgearbeitet wurde dabei auch noch einmal, dass der Mensch einerseits ein Recht auf Alleinsein habe und andererseits das Gefühl der Einsamkeit den Mensch lähmt und abwertet. In den Überlegungen spielte auch die Frage eine Rolle, wie die Frauenhilfe ihren Beitrag auf all ihren Verbandsebenen dazu leisten kann, Menschen aus dem Gefühl der Einsamkeit herauszuholen.

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