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Wirtschaft

Statistiken dürfen Standortschwächen nicht verdecken

Düsseldorf. In seiner Standortanalyse errechnet das Forschungsinstitut Prognos einen Rückgang der nordrhein-westfälischen Arbeitslosigkeit von 730.000 auf 500.000 Arbeitslose im Jahre 2030. Mit dem Rückgang der Arbeitslosenquote auf dann 5,5 Prozent ginge auch ein Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens von 33.621 auf etwa 43.000 Euro einher.

Herbert Schulte, Landesgeschäftsführer vom Unternehmerverband BVMW, warnt vor Fehldeutungen isolierter Statistikbetrachtungen:

"Wer das in Aussicht gestellte wachsende Pro-Kopf-Einkommen bei schrumpfender Bevölkerung zur eigenen Leistungsschau umdeutet, bedient sich einer Tarnkappe und lässt die Folgen gesellschaftlicher Alterung unter den Tisch fallen. Der von Prognos erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit ist allein dem altersbedingten Ausscheiden älterer Menschen aus dem Erwerbsleben geschuldet. Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Politik sei Urheberin eines Wirtschaftswunders, das bislang weder eingetreten, noch mit Blick auf die Gegenwart realistisch ist. Die Investitionsschwäche Nordrhein-Westfalens, seine digitale Verweigerungshaltung sowie die zerbröselnde Infrastruktur sprechen eine deutliche Sprache. Man fragt sich, aus welchen Quellen der errechnete Produktivitätsimpuls gespeist werden soll. Ohne eine korrekte Fehlerdiagnose wird NRW dauerhaft konjunktureller Bremsklotz bleiben und den Turnaround zum Wachstumsstandort nicht bewältigen. Der Mittelstand wartet auf die Bereitschaft der Politik, vom Verteilungs- in den Investitionsmodus zu wechseln. Das gilt für die Bundespolitik sowie für die Landesebene gleichermaßen."

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) präsentierte im vergangenen Jahr Fakten: Nach deren Analyse entwickelte sich die NRW-Wirtschaft im Vergleich zu anderen westdeutschen Bundesländern seit der Jahrtausendwende deutlich schlechter. Die durchschnittliche Wachstumslücke pendelte sich seither bei 0,4 Prozent ein. Die Folge ist ein Wohlstandsgefälle zwischen NRW und den erfolgreichen Standorten Hessen und Bayern von 5.000 Euro pro Kopf des BIP. "Die extreme Investitionslücke zwischen NRW und anderen Bundesländern koppelt uns von der deutschlandweiten Entwicklung ab. NRW muss sein Infrastrukturproblem jetzt angehen. Zwei Drittel der Betriebe beklagen den Zustand der Straßen. Das Land steht in der Pflicht, Investitionsmittel zu aktivieren, wenn der Mittelstand sich stärker engagieren soll. Dies umfasst private Ressourcen wie auch öffentliche Gelder im Rahmen eines passgerechten Bund-Länder-Finanzausgleichs", so Schulte.

Pro-Kopf investiert NRW gerade einmal 250 Euro, während anderorts deutlich mehr Geld in die Hand genommen wird, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. So investierten Bayern (616 Euro), Sachsen (562 Euro) oder Baden-Württemberg (534 Euro) 2013 mehr als doppelt so viel Geld in Sachwerte, wie die Hans-Böckler-Stiftung im Vorjahr berichtete.

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