Die Peter-August-Böckstiegel-Stiftung hat zwei wertvolle Schenkungen erhalten. Der Holzschnitt „Meine Eltern“ von 1920 gehört zu den Hauptwerken des Künstlers. Er stammt aus seiner künstlerisch wichtigsten Zeit und zeigt das für Böckstiegel bedeutsame Motiv der ruhenden Eltern.
Weitere Abzüge der Grafik befinden sich in den Museen von Bielefeld, Münster und Stuttgart, bislang allerdings nicht in der Wertheraner Sammlung. Nur ein weiterer Abzug in Privatbesitz ist bekannt. Sehr viel häufiger sind dagegen die posthumen Nachdrucke, die anlässlich einer Ausstellung 1969/70 in Bielefeld und Münster entstanden.
David Riedel, künstlerischer Leiter des Museums, sagt: „Mir war lange gar nicht richtig bewusst, wie selten dieses Blatt ist, das wie kein anderes für das expressionistische Schaffen von Peter August Böckstiegel steht. Dass wir es nun, in dieser einzigartigen Variante, im Museum haben, ist aus mehreren Gründen ein großes Glück.“
Farbige Besonderheit
Denn der Holzschnitt ist mit Aquarellfarben farbig gestaltet. Eine solche Gestaltung ist von Böckstiegel nur in wenigen Fällen bekannt. Vergleichbare Blätter befinden sich im Besitz der Böckstiegel-Stiftung.
Der nun geschenkte Holzschnitt kam bereits in den 1920er-Jahren in die Sammlung von Rudolf Feldmann, einem wichtigen Unterstützer Böckstiegels. Aus seinem Besitz hat das Museum bereits wiederholt Werke als Schenkungen erhalten.
Seit einigen Jahren gehörte das Blatt Wolfgang Meyer-Stork, der es direkt von der Familie Feldmann erworben hatte. Aus seinem Nachlass gelangt es nun nach Arrode.
„Wolfgang Meyer-Stork war unserem Museum als Gründungsmitglied und langjähriger Schatzmeister des P. A. Böckstiegel-Freundeskreises sehr verbunden. Viele Projekte hat er maßgeblich angestoßen und begleitet, sodass es mich besonders freut, dass wir sein Engagement mit dieser großzügigen Schenkung würdigen können“, sagt David Riedel.
Der Holzschnitt wird durch den Freundeskreis nun restauriert und soll bald in einer Ausstellung präsentiert werden. Zuletzt war er 2013 im Historischen Museum Bielefeld sowie 2019 bei Ausstellungen in Passau und Apolda zu sehen.
Männerbildnis von 1924
Als zweite Schenkung kam ein Männerbildnis von 1924 in die Bestände des Museums. Die großformatige Radierung zeigt laut dem Werkverzeichnis der Druckgrafiken den „jüdischen Kunstfreund Dr. Grünebaum aus Werther“. Über ihn sind bislang jedoch keine weiteren Informationen bekannt.
Das Blatt wurde in den 1990er-Jahren im Berliner Kunsthandel erworben und kam nun als Vermächtnis aus der Hauptstadt nach Werther. Die Erblasserin hatte ausdrücklich gewünscht, dass die Grafik im Museum in Werther verbleibt.
David Riedel sagt dazu: „Dieses sehr ausdrucksstarke Blatt hat nun hier seinen richtigen Platz gefunden und bringt in mir eine alte Frage auf: Wer war Dr. Grünebaum? Er taucht in Böckstiegels Korrespondenz nicht auf und ich hoffe, in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen mehr über diese Person herausfinden zu können.“
Riedel plant zudem, in den kommenden Jahren eine Ausstellung aller Schenkungen und Neuentdeckungen von Werken Peter August Böckstiegels im Museum zu zeigen.







