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Wirtschaft

IHK-Konjunkturumfrage zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung

IHK
v.li.: Vizepräsident und Dienstleistungsausschussvor-sitzender Christoph Plass, Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke, Prä-sident Jörn Wahl-Schwentker, Handelsausschussvorsitzender Rainer Döring und Geschäftsführer International Götz Dörmann.

Lage der ostwestfälischen Wirtschaft bleibt aufgrund neuer Risiken fragil

Die Frühjahrskonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zeigt leichte Anzeichen einer Stabilisierung der regionalen Wirtschaft. „In einzelnen Bereichen erkennen wir zarte Pflänzchen einer Erholung, insgesamt bleibt die konjunkturelle Situation aber fragil“, erklärte IHK‑Präsident Jörn Wahl‑Schwentker bei der Vorstellung der Ergebnisse heute (17. März) in der IHK in Bielefeld. „Die positiven Signale stehen durch die neuen Risiken infolge des Nahost-Konflikts spürbar in Frage und dämpfen die ohnehin vorsichtigen Hoffnungen auf einen Aufschwung. Die Auswirkungen auf die Konjunktur und unsere Wirtschaft hängen vor allem vom weiteren Verlauf des Konflikts ab, insbesondere von der Dauer sowie der Entwicklung der Energiepreise.“

An der Umfrage haben sich von Mitte Januar bis Mitte Februar insgesamt 1.719 ostwestfälische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen mit fast 119.000 Beschäftigten beteiligt. Der Konjunkturklimaindikator – ermittelt aus der Bewertung der aktuellen Lage und der Erwartungen – ist gegenüber Herbst 2025 von 94 auf 105 Punkte gestiegen und überschreitet damit erstmals seit vier Jahren wieder den Wert von 100 Punkten, der eine ausgeglichene Stimmung markiert. Getragen wird dieser Anstieg vor allem von positiven Erwartungen größerer Unternehmen. Im Dienstleistungssektor und im Handel bewegt sich das Konjunkturklima oberhalb der 100er-Marke. Die Industrie indes bleibt darunter, was die anhaltend schwierige Lage in diesem Sektor widerspiegelt.

Ein Blick auf die amtliche Statistik bestätigt dies: Die Umsätze der größeren Industriebetriebe in Ostwestfalen mit mindestens 50 Beschäftigten beliefen sich 2025 auf 45,1 Milliarden Euro – ein Rückgang um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Auslandsumsätze sanken um 4,6 Prozent, die Inlandsumsätze um 1,6 Prozent. Die Exportquote verringerte sich somit von 40,6 auf 39,9 Prozent.

IHK‑Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl‑Radtke be-tont: „Die amtlichen Daten zeigen eine leichte Stabilisierung einzelner Branchen – etwa im Lebensmittel‑ oder Metallbereich –, wobei hierzu auch Preiseffekte beitragen. Zugleich verzeichnen große Teile der Industrie rück-läufige Umsätze. Insgesamt bleibt die Situation in dem Sektor weiterhin angespannt.“

Die Krise im Verarbeitenden Gewerbe zeigt sich auch in der Beschäftigungsentwicklung. So sank die Zahl der Mitarbeitenden in der Industrie 2025 um rund 4.600 oder 2,7 Prozent auf knapp 167.000 – gegenüber dem Höchststand Ende 2023 bedeutet dies einen Verlust von fast 5.800 Stellen. Personalabbau gab es auch im Handel, während im Dienstleistungssektor – insbesondere im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung – Zuwächse verzeichnet wurden. „Damit bleibt die Gesamtzahl der sozialver-sicherungspflichtig Beschäftigten in Ostwestfalen mit 763.495 Personen auf Rekordniveau“, sagt Pigerl-Radtke.

Die schwierige Lage der Industrie spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen wider. Zwar zeigt sich ein Rückgang beim Anteil schwach ausgelasteter Industriebetriebe – ein Hinweis auf eine leichte, aber noch nicht belastbare Besserung. Doch die Stimmung bleibt insgesamt gedämpft. Lediglich 12 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut, 26 Prozent dagegen als schlecht, 62 Prozent als befriedigend. 20 Prozent der Industriebetriebe erwarten eine Verbesserung in den kommenden zwölf Monaten, 12 Prozent eine Verschlechterung. Viele Hoffnungen fußen dabei auf steigenden Auslandsumsätzen – doch gerade diese sind angesichts der jüngsten Entwicklungen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. „Die Umfrage bildet weder die neuen Risiken im transatlantischen Handel – Stichwort Trumps Zollpolitik – noch die Auswirkungen des Konflikts im Na-hen Osten ab“, stellt Wahl‑Schwentker klar.

Auch im Handel bleibt die Lage angespannt: 17 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als gut, rund ein Drittel als schlecht. Die Mehrheit rechnet mit einer Seitwärtsbewegung. „Und das sind Zahlen vor möglichen Preisimpulsen infolge der Entwicklungen im Nahen Osten“, erklärt Rainer Döring, Vorsitzender des IHK‑Handelsausschusses. Besonders die Ertragslage bleibe unter Druck, da steigende Kosten mögliche Umsatzzuwächse aufzehrten.

Die Dienstleistungswirtschaft zeigt sich dagegen insgesamt stabil, allerdings ohne spürbare Dynamik. 25 Prozent der Unternehmen berichten von einer aktuell guten Geschäftslage, 22 Prozent von einer schlechten, die Mehrheit stuft sie als befriedigend ein. Während die Umsätze leicht positive Tendenzen erkennen lassen, stehen die Erträge weiter unter Druck. „Die Branche stabilisiert die Gesamtwirtschaft, aber sie kämpft mit steigenden Kosten und verhaltener Nachfrage“, erläutert IHK‑Vizepräsident Christoph Plass. Besonders angespannt sei die Situation in der industrienahen Arbeitnehmerüberlassung.

„Die ohnehin sehr herausfordernde wirtschaftliche Lage wird durch die geopolitischen Entwicklungen zusätzlich belastet. Um die konjunkturellen Fragezeichen aufzulösen, brauchen wir entschlossene wirtschaftspolitische Weichenstellungen“, betont Wahl‑Schwentker. Die Umfrage zeigt klar die größten Risiken aus Sicht der Betriebe auf: Neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (71 Prozent) werden gestiegene Arbeitskosten (65 Prozent), die Inlandsnachfrage (59 Prozent) sowie hohe Energie‑ und Rohstoffpreise (40 bzw. 35 Prozent) genannt. „Gerade die Energiepreise bleiben ein massiver Standortnachteil. Die von der Bundesregierung verschobene Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen und Haushalte wäre gerade auch in der aktuellen Lage ein wichtiges Signal, das sofort Entlastung in der ganzen Breite schaffen würde“, erklärt Wahl‑Schwentker. „Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus. Dafür braucht es wettbewerbsfähige Arbeits‑ und Energiekosten, zukunftsfähige Strukturreformen in den Sozialsystemen, spürbar weniger Bürokratie, schnellere Planungs‑ und Genehmigungsverfahren sowie verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen erleichtern – und nicht verhindern.“

Foto: IHK Ost-westfalen/Jörg Deibert

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