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Wirtschaft

Wächst in Nordrhein-Westfalen die Toleranz für Logistik?

Lagerhalle

München. 82 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen erkennen die Bedeutung der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Waren – und sind auch Logistikansiedlungen gegenüber nicht negativ eingestellt. Bei der Versorgungssicherheit der Wirtschaft sind es 80 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Logistikimmobilienberaters Logivest durchgeführt hat. Die Umfrageergebnisse sind für Nordrhein-Westfalen repräsentativ und sind Teil einer Umfrage, für die im Oktober 2022 2.149 Personen in ganz Deutschland befragt wurden1.

Nach der Relevanz der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Konsumgütern sowie der Wirtschaft mit Rohstoffen und Vorprodukten gefragt, maßen 47 Prozent Lebensmitteln und Konsumgütern einen „sehr hohen Stellenwert“ bei und weitere 26 Prozent einen „hohen Stellenwert“ sowie neun Prozent zumindest einen „mittleren Stellenwert“. Lediglich 16 Prozent nahmen bei der Bedeutung der Versorgungssicherheit eine neutrale Position ein – und nur jeweils ein Prozent sprachen ihr einen „niedrigen“ oder „sehr niedrigen“ Stellenwert zu. Bei der Versorgungssicherheit der Wirtschaft mit Rohstoffen und Vorprodukten waren es 33 Prozent für „sehr hoch“, 32 Prozent für „hoch“, 15 Prozent für „mittel“, 16 Prozent für „neutral“), zwei Prozent für „niedrig“ und ein Prozent für „sehr niedrig“. „Vermutlich haben die Lieferengpässe aufgrund der Pandemie sowie des Krieges in der Ukraine viele Menschen dahingehend sensibilisiert, wie wichtig Versorgungssicherheit tatsächlich ist. Viele haben erkannt, dass sie nicht selbstverständlich ist“, sagt Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Logivest NRW GmbH.

Bei der Umfrage wurde auch nach der Wahrnehmung von großen Logistikansiedlungen, Lagerhallen und dafür notwendigen Verkehrsflächen am Wohnort der Befragten und in der weiteren Umgebung innerhalb des jeweiligen Bundeslandes gefragt. Mit 70 Prozent nahm eine deutliche Mehrheit eine neutrale Position ein. Nur 16 beziehungsweise 14 Prozent hatten eine positive beziehungsweise eine negative Wahrnehmung.

„Dieses Ergebnis hat uns ein wenig überrascht“, gibt Schmidt zu. „Denn wir sprechen regelmäßig mit verschiedensten Kommunen über die Möglichkeiten neuer Logistikansiedlungen. Oft wird selbst hier in Nordrhein-Westfalen, wo es bereits einige Logistikobjekte gibt, angesichts der Größe oder des zusätzlichen Verkehrsaufkommens eine ablehnende Haltung der Bürger erwartet – was aber anscheinend gar nicht zutrifft.“ Damit ergibt die Umfrage, dass die Kommunen nicht von vornherein eine Ablehnung in der Bevölkerung befürchten müssen. Schmidt ergänzt jedoch: „Obwohl wir dies mit der Formulierung der Frage ausklammern wollten, können wir einen ‚NIMBY-Effekt‘ dennoch nicht ausschließen.“ ‚NIMBY‘ steht für ‚not in my backyard‘ und bedeutet, dass eine Person beispielsweise ein Infrastrukturvorhaben wie den Bau neuer Windräder oder eine Bahntrasse aufgrund befürchteter negativer Auswirkungen nicht direkt am eigenen Wohnort akzeptiert, obwohl sie die gesellschaftliche Bedeutung des Vorhabens eigentlich anerkennt.

Die neutrale Haltung des Großteils der Bevölkerung gegenüber Logistikansiedlungen zeigt, dass bei konkreten Ansiedlungsvorhaben das individuelle Konzept und eine transparente Kommunikation entscheidend für die lokale Akzeptanz ist. Um zu ermitteln, welche Aspekte bei der Akzeptanz eine hervorgehobene Rolle spielen, wurden die Befragten gebeten, jene Faktoren aus einer Liste auszuwählen, die am ehesten dazu beitragen, dass sie Logistikansiedlungen an ihrem Wohnort (noch) positiver wahrnehmen. Dabei durften bis zu zwei Faktoren ausgewählt werden. An Position eins befanden sich mit 46 Prozent geeignete Verkehrskonzepte wie z. B. die Umgehung von Orts- und Stadt-Zentren sowie von Wohngebieten oder das Schaffen ausgewiesener Übernachtungsflächen für LKW-Fahrer. 39 Prozent sprachen sich für nachhaltige Logistikkonzepte aus – beispielsweise für begrünte Logistikhallen, Solar- und Photovoltaikanlagen und elektrische Lastkraftwagen.

Ebenfalls 29 Prozent forderten wirtschaftliche Vorteile für ihre Gemeinde oder Stadt. Das kann sich beispielsweise in der Bereitstellung von grünem Strom über Photovoltaikanlagen auf den Hallendächern äußern. Dieses Potenzial, das Logistikimmobilien damit für Kommunen und Gemeinden darstellen können, stellt auch die vom Themenkreis Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik neu gegründete Initiative „Power of Logistics“ in den Vordergrund. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die Logistik langfristig als Versorger von nachhaltiger Energie zu etablieren und stellt dabei die Themen „Ausbau regenerativer Energien“ und „Nutzung von überschüssigen Kapazitäten aus der Logistik“ in den Fokus ihrer Aktivitäten. Denn laut der Initiative bietet allein die in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland geschaffene Dachfläche von Logistikimmobilien das Potenzial zur Versorgung von etwa 800.000 Haushalten mit Strom aus Photovoltaikanlagen.

Lediglich neun Prozent der Befragten forderten eine andere Bauweise von Logistikimmobilien – wie beispielsweise niedrigere Hallen oder architektonisch anspruchsvollere Gebäude. „Dies spiegelt unsere Wahrnehmung wider. Es sind eher die Bürgermeister bzw. der Stadtrat, die eine Immobilie aus städtebaulicher Sicht beurteilen und sich hier eine Angleichung an das Stadtbild wünschen“, so Schmidt.

„Die Umfrage zeigt, dass es bei guten und nachhaltigen Konzepten durchaus eine Akzeptanz für Logistik gibt. Eine im Durchschnitt gegenüber Logistikimmobilien neutrale Bevölkerung kann mit guten Argumenten überzeugt werden“, fasst er zusammen und appelliert an die Kommunen: „Verschließen Sie sich nicht grundsätzlich neuen Logistikansiedlungen – aber fordern sie von den Unternehmen konkrete Zusagen und Kompromisse hinsichtlich Verkehrskonzepten, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit oder Bauweise.“ Davon profitieren am Ende alle – Kommunen, Logistikunternehmen, Bevölkerung und die Wirtschaft insgesamt. Denn die Versorgungssicherheit mit Waren ist essenziell – und das ist der Bevölkerung, wie die Umfrage bestätigt, durchaus bewusst.

1 Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2149 Personen zwischen dem 04. und 11.10.2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung der jeweiligen Bundesländer ab 18 Jahren.

Über die Logivest GmbH:
Logivest ist ein inhabergeführtes, deutschlandweit agierendes Beratungsunternehmen mit Fokus auf Logistikimmobilien und Logistikstandorte. Dienstleistungen in den Bereichen Vermietung, Transaktions- und Neubauberatung bilden dabei die Kernkompetenzen. Komplettiert wird das Leistungsspektrum durch die Unterstützung bei der Vermarktung von Logistikstandorten, der Optimierung oder Neugestaltung von Logistikprozessen, bei M&A-Entscheidungen sowie Standortanalysen. Dabei zeichnet sich das 2011 gegründete Unternehmen durch eine umfangreiche und branchenübergreifende Logistikimmobilien-, Standort- und Logistikprozesskompetenz aus. Mit insgesamt zwölf Standorten in Deutschland (München, Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Magdeburg, Nürnberg und Stuttgart) bietet die Logivest Gruppe Kunden aus Logistik, Produktion und Handel eine individuelle und bundesweite Betreuung.

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