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Geschichte

Neue Forschungen zu Lemgos größtem vergessenen Bauwerk

Ausschnitt Heft-Cover

Lemgo (lwl). Hermann Hentschel vom Verein Alt-Lemgo hat über 40 Jahre lang die Landwehren bei Lemgo (Kreis Lippe) erforscht und dazu zahlreiche Ortschroniken ausgewertet, denn “der Bau und die Entwicklung einer Landwehr sind eng mit der Stadtgeschichte verwoben”, so Hentschel. Seine Ergebnisse hat die Altertumskommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) jetzt als Heft 8 der Reihe “Landwehren in Westfalen” veröffentlicht.

Schon im Jahr 1353 wird der erste Bau einer Landwehr bei Lemgo erwähnt. Noch heute sind kilometerlang, überall um die Stadt herum die Reste dieser spätmittelalterlichen Wehranlage zu sehen. Das neue Heft zeigt den gesamten bekannten Verlauf dieses riesigen Bauwerkes in seinen einzelnen Abschnitten auf, sowie die Standorte von neun Warttürmen und weiteren vier gesicherten Turmhöfen. Hentschel führt die Leser:innen zu den noch erhaltenen Wall-Graben-Abschnitten und daran entlang auf eine Wanderung durch die Geschichte der Stadt Lemgo.

Landwehren bestanden aus Gräben und Wällen, die mit dichtem Strauchwerk bewachsen waren. Sie wurden im ausgehenden Mittelalter errichtet, um Städte und Territorien vor den Unsicherheiten zu schützen, die zahllose Fehdestreitigkeiten mit sich brachten. Der Bau einer Landwehr war ein Großprojekt, das ständig instandgehalten und erweitert werden musste.

Noch 1620 steht der Schutz des Landwehrsystems an erster Stelle der Landesverordnungen der Grafschaft-Lippe. Doch im Laufe des 17. Jahrhunderts und infolge des Dreißigjährigen Krieges offenbarte sich die Unwirksamkeit des Schutzringes gegen plündernde Horden und wurde schließlich dem Verfall preisgegeben.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Lemgoer Landwehr zum Gegenstand der Geschichtsforschung geworden. Zahlreiche Interessierte versuchen seitdem den einstigen Verlauf der Anlage zu rekonstruieren.

Auch Archäologen haben in den vergangenen Jahren die Landwehren erforscht: 2005 legte LWL-Archäologe Hans-Otto Pollmann in Zusammenarbeit mit dem Verein Alt Lemgo einen Grabungsschnitt durch den Wall an. Dabei dokumentierte er den Aufbau im Detail. Zusammen mit den Erkenntnissen von Hentschel liegt nun ein umfassendes Bild des spätmittelalterlichen Schutzrings um Lemgo vor.

Foto: Ausschnitt Heft-Cover “Die Landwehren der Stadt Lemgo” /LWL

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