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Sport

Hämmerling nur mit drei Spielern

Nachwirkungen von Corona sowie Spieler bei Olympia in Tokio und eine Reihe verletzter Spieler haben das Team arg dezimiert.

Tennisspieler
Der erstmals im Team Hämmerling TuS Sennlager aufgebotene 19-jährige Argentinier Juan Manuel Cerundolo konnte spielerisch gefallen, unterlag aber dem zehn Jahre älteren routinierten Damir Dzumhur vom TSV 1860 Rosenheimer Unterstützungskasse.

Paderborn. Was auf Seiten des Team Hämmerling TuS Sennelager seit dem Saisonstart in die 1. Tennis-Point Bundesliga wie ein Damoklesschwert über sie hing, trat an diesem heutigen 5. Spieltag dann auch ein: Sie hatten nicht genügend Spieler zum Heimduell gegen den TSV 1860 Rosenheimer Unterstützungskasse zur Verfügung. „Heute kam alles zusammen“, sagte Teammanager Marc Renner, „denn die Nachwirkungen von Corona sowie Spieler bei Olympia in Tokio, aktuelle Turniererfolge und eine Reihe verletzter Spieler haben unser Team arg dezimiert.“ So fielen auf Grund von Turnierteilnahmen Arthur Rinderknech, Jan Zielinski (beide Gstaad), Daniel de Jonge (Turnier Niederlande) und verletzungsbeding gab mussten die Ostwestfalen auf Alex Molcan, Zdenek Kolar, Manuel Guinard sowie David Pel verzichten. So war Renner zumindest am Sonntagmorgen zunächst froh, dass er vier Spieler hatte.

Doch es gab kein Ende des Schreckens an diesem sonntäglichen 25.Juli. Der 22-jährige Kacper Zuk (ATP 170) war zwar da, aber nicht spielfähig. „Im rechten Oberschenkel habe ich eine Entzündung“, so der polnische Davis Cup-Spieler, „ich kann gerade gehen, an laufen ist überhaupt nicht zu denken.“ Demzufolge lagen die Gastgeber bereits mit 0:1 im Hintertreffen, bevor die ersten Ballwechsel in der Begegnung überhaupt gespielt wurden. Dabei hatte das Team Hämmerling eigentlich einen Sieg eingeplant, wollte man nicht zu diesem Zeitpunkt bereits fest im Tabellenkeller sitzen. Bis dato gab es nämlich nur einen 6:0 Erfolg gegen den Kölner THC Stadion Rot-Weiss und die sportliche Situation ist angesichts der Erfolge der Konkurrenten als durchaus kritisch zu betrachten. Mit drei Hämmerling-Profis war natürlich gegen das oberbayerische Quartett wenig auszurichten, denn mit Damir Dzumhur (ATP 127), Blaz Rola (ATP 167), Alessandro Giannessi (ATP 117) und Matteo Viola (ATP 262) waren die Rosenheimer zumindest spielerisch gut aufgestellt.

Das soll nicht heißen, dass die Gastgeber chancenlos waren, aber durch die Bank weg waren sie in letzter Konsequenz nicht routiniert genug, den durchweg 30-Jährigen Gästen in den jeweils entscheidenden Phasen eine Niederlage beizubringen. Immer wenn es eng wurde, war das Quäntchen Glück oder auch Können oder auch Routine bei den Anderen. Lediglich der an Nummer vier aufgestellte 26-jährige Israeli mit französischen Pass, Daniel Cukiermann (ATP 664), biss sich gegen den acht Jahre älteren Matteo Viola (ATP 262) durch. Beide boten sehenswertes, schnelles Tennis bei hochsommerlichen Temperaturen und trotz des verloren gegangenen ersten Satzes, steckte der Mann aus Tel Aviv gegen den Italiener nicht auf. Je länger die Auseinandersetzung andauerte, umso sicherer wurde das Spiel des mehrfachen israelischen Meister. Der Lohn seiner schweißtreibenden Auseinandersetzung war ein 5:7, 6:4, 12:10 Sieg und das zwischenzeitliche Unentschieden.

Dass dies der einzige Einzelpunkt für die Ostwestfalen am Ende sein würde, hatte man zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt. Der 21-jährige Franzose Antoine Cornut-Chauvinc (ATP 664), an drei gesetzt, hatte sich mit dem zehn Jahre älteren Italiener Alessandro Giannessi (ATP 117) auseinanderzusetzen, der im ATP-Ranking mehr als 500 Plätze besser notiert ist. Ein großer spielerischer Unterschied war kaum zu sehen, nur das Ergebnis sprach eine andere Sprache: 7:6(2), 6:4 für den Profi aus der italienischen Urlaubsregion Cinque Terre. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt! Insofern sollte der erstmals aufgebotene 19-jährige Juan Manuel Cerundolo (ATP 144), als die Nummer eins im Hämmerling-Team, die Hoffnungen auf einen zweiten Einzelsieg erfüllen. Sein Gegenüber, der mit einem kroatischen Pass ausgestattete Damir Dzumhur, ließ immer dann, wenn es für ihn vom Zwischenstand her eng wurde, seine Klasse aufblitzen.

Auch Kein Wunder, denn drei Titelgewinne auf der ATP World Tour haben ihn bis auf die Weltranglistenposition 23 gebracht. Während Dzumhur, der zudem bereits bei den Grand Slams gleich fünfmal die dritte Runde erreicht hatte, steht der 19-jährige Argentinier erst am Anfang einer möglichen erfolgreichen Tenniskarriere. In seiner ruhigen Art bot er seinem dauerredenden Kontrahenten fast die ganze Partie über Paroli, doch die schnellen Beine und eine unglaubliche Antizipation machten falls alles zunichte. So bedankten sich die rund 600 Zuschauer für großartige Ballwechsel und zahlreichen Stoppbällen mit viel Applaus, doch auch rhythmischen Klatschen brachten Dzumhur nicht aus dem spielerischen Takt. Am Ende viel Beifall und aufmunterndes Schulterklopfen für den jungen Südamerikaner, doch zwei deutliche Tiebreak-Erfolge sorgten für ein 3:1 der Rosenheimer.

Das traurige Kapitel an diesem Tag, war die Tatsache, dass keine Doppel ausgetragen werden konnten. Das Team Hämmerling hatte sowieso keinen vierten Spieler im Aufgebot und Matteo Viola hatte sich im Einzel eine Zerrung zugezogen, so dass dieser Sonntag mit einem vorzeitigen 4:2 Erfolg für die Oberbayern endete. „Mir tut es sehr leid“, sagte Hauptsponsor Ralf Hämmerling Cora publico im Interview, „dass wir ihnen kein Doppel bieten können. Doch ich lasse mir etwas einfallen, wie wir das im letzten Heimspiel am 13. August gegen Neuss wieder gut machen können.“ Fakt ist aber auch, das Team Hämmerling TuS Sennelager ist durch die Niederlage der der Punktegewinne der ebenfalls abstiegsgefährdeten Mannschaften an Tabellenende gerutscht! Möglicherweise nur eine Momentaufnahme.

Unterhaltsam endete trotzdem der Spieltag auf dem Centre Cour. Zur einer Talkrunde mit Moderator Frank Hofen hatten sich der stellvertretende CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Carsten Linnemann, sowie vom Fußball-Zweitligisten SC Paderborn der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth und Trainer Lukas Kwasniok eingefunden. Die Plauderei brachte eines zutage: sie alle wollen gewinnen. Der Paderborner Bundestagsabgeordnete die Bundestagswahl am 26. September und die beiden SCP-Persönlichkeiten unter anderem zahlreiche Ligasiege und einen möglichen Erfolg in der ersten DFB-Pokalrunde am 06. August bei Dynamo Dresden.

Foto: ©Ralf Meier

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