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Politik&Gesellschaft

Krankenhäuser im Fallpauschalen-System: „Gewinnorientierte Fabriken“

Uraufführung beim Linken Forum: Erstmalig hat das Planungsteam in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung und Attac Paderborn ein Dokumentarfilm-Streaming zum Thema „Der marktgerechte Patient“ und eine anschließende Online-Diskussion mit den Filmemachern organisiert. Das Interesse am Film und der Verlauf des Gesprächs machten deutlich, dass in Corona-Zeiten ein kritischer Blick auf die skandalösen Zustände in deutschen Krankenhäusern kaum aktueller sein könnte.

Die politischen Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz zeigen in ihrem Filmbeitrag den Krankenhausalltag durchgängig von unten: Aus der Sicht von Krankenschwestern, Pflegerinnen, Ärzten und Patienten. Deutlich wird, dass seit Einführung des so genannten „Fallpauschalen“-Systems im Jahre 2004 unter Kanzler Gerhard Schröder, alle Versorgungsleistungen und Dienstleistungen sich „rechnen“ müssen. Krankenhäuser mutieren zu gewinnorientierten Fabriken mit Fließbandabfertigung der Patienten. Zum Beispiel wird eine kostensparende Amputation eines Fußes bei schwerer Diabetes einer langwierigen Wundbehandlung vorgezogen – die Befindlichkeit des Kranken spielt keine Rolle. Beim Personal, sagt eine Krankenschwester, werde rigoros eingespart oder eine wenig Gewinn erzielende Geburtenstation kurzerhand geschlossen. Zeit sei in diesem System Geld, die Arbeitsleistung des weggesparten Personals werde dem übriggebliebenen Personal aufgebürdet.

In der Online-Diskussion, an der neben den Filmemachern auch Ärzte, Pflegerinnen und eine Aktivistin des Netzwerks „Care Revolution“ teilnahmen, wurde der Trend zur weiteren Konzentration des Krankenhaus-Systems auf wenige große und besonders gewinnorientierte Campus-Kliniken hervorgehoben. So betätigten sich die Asklepios-Kliniken mit Sitz in Hamburg als Unternehmen, die sich auf besonders „lukrative“ Spezialbehandlungen konzentriert hätten. Asklepios sei, so Leslie Franke, mittlerweile „zum Aufkauf weiterer Privatkliniken wie der Rhön-Kliniken oder dem Erwerb von Hotels übergegangen“. In der Folge dieses Verdrängungswettbewerbs könnten immer mehr kleinere Krankenhäuser mit ihrer Ausrichtung auf die Grundversorgung nicht überleben. Franke: „2000 Krankenhäuser insbesondere im ländlichen Raum sollen auf 600 zusammengeschrumpft werden.“

Eine Paderborner Ärztin berichtete von „negativer Selektion“ in Krankenhäusern, bei der Ärzte zu nicht notwendigen Operationen seitens des Managements gezwungen würden. Elke Süsselbeck, Bürgermeisterkandidatin der Paderborner Linken, betonte, dass bei den Management-Beratern, die selbst nicht dem medizinischen Bereich entstammten, die Vorstellung eines „Normpatienten“ vorherrsche, der sich nach Kategorien von Kosten und Nutzen einstufen lasse. Die „Care Revolution“-Aktivistin Melanie Stitz, die Streikaktionen in Pflegeberufen unterstützt und initiiert, verwies in diesem Zusammenhang auf einen im „Stern“ veröffentlichten „Ärzte-Appell“, in dem diese zur „Rettung der Medizin“ und zur sofortigen Abschaffung des Fallpauschalen-Systems aufriefen.

Auf die Frage an die Filmemacher, ob sie die Hoffnung hätten, dass das Fallpauschalen-System durch die Corona-Pandemie einer Revision unterzogen werden könnte, lautete die Antwort: „Das hat der zuständige Ressort-Minister Jens Spahn mit einer Gegenfrage beantwortet: Haben sie eine bessere Idee als die Fallpauschalen?“ Herdolor Lorenz machte unmissverständlich deutlich, dass eine grundlegende Veränderung nur von unten, initiiert durch lokale Streikbündnisse, erwirkt werden könne.

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