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Kirche&Religion

Im Geist der Liebe umgehen mit Leben und Sterben

Im Geist der Liebe umgehen mit Leben und Sterben

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB beim diesjährigen Camino-Tag des Caritas-Hospizdienstes

Paderborn / Finnentrop (cpd). "Jeder von uns wird sich unweigerlich früher oder später mit den Themen, die das Lebensende betreffen, auseinanderzusetzen", ist Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB überzeugt. "Gerade deswegen dürfen wir es uns Christen und als Kirche nicht leisten, diese Fragen ins Abseits der Öffentlichkeit zu schieben oder auf Fachtagungen zu behandeln." Beim diesjährigen Camino-Tag des Caritas-Hospizdienstes im sauerländischen Finnentrop, warb der Weihbischof für einen vom Geist der Liebe inspirierten Umgang mit Gesundheit und Krankheit.

Foto: "Die menschendienlichste Haltung ist die der Hoffnung", sagte Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB beim diesjährigen Caminotag des Caritas-Hospizdienstes in Finnentrop (Foto: pdp).

Technische Hilfeleistungen und medikamentöse Therapien würden älteren Menschen, chronisch Schwerstkranken und Pflegebedürftigen einerseits eine Hilfe in der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten und eine Verbesserung der Lebensqualität auch im hohen Alter bieten. Andererseits könne dieser medizinisch-biologische Fortschritt aber auch dazu beitragen, die Begrenzung des Lebens und damit das Sterben hinauszuzögern, ohne dass hierin irgendein Sinn erkennbar sei, führte Weihbischof Dominicus aus. Neben der natürlichen Angst vor der eigenen Sterblichkeit, wachse heute eine Angst vor genau diesen medizinischen Möglichkeiten zur Lebenserhaltung, genauer: vor dem einsamen Ausgeliefertsein gegenüber einer anonymen Apparate-Medizin. Die Folge sei unter anderem eine gesellschaftlich immer stärke Befürwortung des assistierten Suizides.

"Wir wissen heute aber nicht nur von Sterbehelfern und Sterbebegleitern, sondern vor allem von Psychologen, dass die These von der Freiverantwortlichkeit des Suizids am Lebensende eine Illusion ist", so Weihbischof Dominicus. Anstelle des freien Willens dominiere die Angst, etwa vor großen Schmerzen, vor dem Pflegefall, vor der Einsamkeit im Sterben. "Hier brauchen wir dringend eine Hilfe zum Leben, und keine Sterbehilfe. Wir sollten eine Haltung entwickeln, die das Leben und ein würdevolles Sterben als Teil des Lebens bejaht." Aus christlicher Sicht sei der Tod eines Menschen etwas, das abzuwarten sei und nicht herbeigeführt werden dürfe. "Für mich ist es sehr fraglich, ob ein Mensch sein Sterben in Freiheit annehmen und sich in Würde darauf vorbereiten kann, wenn ihm ein besonderer Entscheidungsdruck durch Erwartungen einer Gesellschaft auferlegt ist, die sich vor dem Lebensende wie auch vor den Möglichkeiten der Lebens- beziehungsweise Sterbensverlängerung immer stärker ängstigt. Kann der Wille eines Menschen unter solchen Bedingungen wirklich frei und autonom sein?", fragte Weihbischof Dominicus in seinem Vortrag.

Die Frage nach einem würdevollen Umgang mit dem Lebensende berühre nicht die medizinische und pflegerische Versorgung. "Irgendwann geht es für einen Menschen nur noch um die Frage der Kraft, sich einzustellen auf den letzten Wegabschnitt, um den Umgang mit Ängsten und Sorgen, um Hoffnung und Erlösung." Eine menschengemäße und damit würdevolle Begleitung sterbenskranker Menschen ist für Weihbischof Dominicus immer auch hoffnungsgemäß. "Die menschendienlichste Haltung ist die der Hoffnung." Die wichtigste Triebfeder des Menschen, die ihn seit dem Anfang seines Lebens begleite, lasse sich auch an dessen Ende finden. "Es ist am Lebensende die Hoffnung, nicht allein zu sein auf den letzten Schritten." Die christliche Antwort auf den Tod sei durch und durch mit Hoffnung verbunden. Sie könne einem Menschen bei den letzten Schritten auf seinem Lebensweg eine besondere Unterstützung sein, führte Weihbischof Dominicus weiter aus.

Zu einem vom Geist der Liebe inspirierten, ethisch-christlich angemessenen Umgang mit Gesundheit und Krankheit gehöre daher auch die Bereitschaft zur Seelsorge, die kranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen begleite, so Weihbischof Dominicus zum Abschluss seines Vortrags.

Die Veranstaltung auf Schloss Bamenohl in Finnentrop war der bislang vierte Camino-Tag, veranstaltet durch den gleichnamigen Hospizdienst des Caritasverbandes für den Kreis Olpe. Nach der musikalischen Einstimmung durch Hannah Tillmann (Gesang) und Marvin Feldhaus (Gitarre) wurden die Zuhörer durch den Hausherrn Hanno Freiherr von Plettenberg begrüßt. Nach einem Willkommen durch Finnentrops Bürgermeister Dietmar Hess eröffnete Dechant Andreas Neuser den Tag mit einer Ansprache, in der auch seine persönliche Betroffenheit mit dem Thema zum Ausdruck kam. Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB ging nach seinem Vortrag auch auf ganz persönliche Fragestellungen der Zuhörer ein. "Wir haben den Tag mit Weihbischof Dominicus als sehr bereichernd für unsere Arbeit im Rahmen von Camino erlebt. Er hat uns in unserem Tun bestätigt und ermutigt", so Gertrud Dobbener, Koordinatorin des Caritas-Hospizdienstes.

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