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Kirche&Religion

Um Gottes Willen

Im Rathaus diskutierten die Teilnehmer des Festakts über den Willen Gottes. ©Stadt Paderborn
Im Rathaus diskutierten die Teilnehmer des Festakts über den Willen Gottes. ©Stadt Paderborn

Woche der Brüderlichkeit mit Festakt im Rathaus beendet

Zu welchem Handeln und Denken Staaten und Privatpersonen im Namen Gottes fähig sind und wozu sie sich hinreißen lassen, darüber machten sich zahlreiche Akteure der Woche der Brüderlichkeit Gedanken.

Die Woche der Brüderlichkeit wird jährlich vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) und einer jeweiligen örtlichen Gesellschaft unter einer wechselnden Thematik ausgerichtet.

Vom 4. bis 7. März wurde sie dieses Jahr unter dem Thema "Um Gottes Willen" unter Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck in Hannover eröffnet. Zum Abschluss fand am Sonntag eine Festveranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Paderborn im Paderborner Rathaus statt.

Die Vorsitzende der GCJZ, Monika Schrader-Bewermeier, wies auf die Doppeldeutigkeit des Jahresthemas "Um Gotes Willen" sowohl als Appell als auch als Ausdruck des Schreckens hin und gab zu bedenken, dass viele meinten, genau zu wissen, was der Wille Gottes sei und ihre Interpretationen als allgemein gültig setzten. Vieles, was derzeit an Äußerungen und Taten in unserer Gesellschaft geschehe, könne uns "Um Gottes Willen" nicht unberührt lassen.

Die Woche der Brüderlichkeit stehe für den gemeinsamen Weg von Christen und Juden, sagte Bürgermeister Michael Dreier an die Gäste gewandt. "Sie ist auch ein deutliches Signal gegen jede Form von Antisemitismus in unserer Gesellschaft und sie ist Mahnung zur Wahrung von Freiheit und Demokratie", machte er deutlich und stellte einen aktuellen Bezug her: Gerade sei die Gesellschaft in der Flüchtlingskrise gefordert. "Glücklicherweise erleben wir in unserer Stadt eine Willkommenskultur", sagte Dreier, wies gleichzeitig aber auch darauf hin, dass "mit denjenigen, die neu zu uns kommen", auch die Herausforderung wachse, ein friedliches und tolerantes gemeinschaftliches Leben zu bewahren. "Das trifft auch auf das gemeinschaftliche Leben von Religionen zu. Die Werte, für die sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bereits seit Jahrzehnten einsetzt, sind also aktueller denn je."

Aus religiöser Sicht nahmen Vertreter der Religionen Stellung zum Jahresthema. Prof. Dr. Agnes Wuckelt von der Katholischen Hochschule NRW begann ihre Ausführungen mit ihren Kindheitserfahrungen aus dem alten Katechismus, in dem der Wille Gottes ganz klar definiert war. Bezüglich dieser "Gewissheit" sei man heute vorsichtiger geworden. Letztlich gäbe es nur die Forderung Gottes einander zu lieben, menschlich miteinander umzugehen und die Schöpfung zu bewahren. "Das ist eine Forderung, die im Grunde mit unserem Menschsein mitgegeben ist und sich bereits mit unserer natürlichen Vernunft erkennen lässt." Das Gottesgeschenk der Begabung, sagte Wuckelt sollten Menschen nutzen.

Hamideh Mohagheghi, islamische Theologin am Zentrum für Komparative Theologie der Universität Paderborn, sprach unter anderem darüber, was gegen zum Teil extreme Ideologien und religiösen Extremismus zu tun sei. "Es gibt keine Alternative zur Begegnung und zum Dialog", sagte sie. Dabei gehe es nicht nur um den Dialog zwischen den einzelnen Religionen, sondern um einen Dialog "zwischen allen, die das Leben wertschätzen, Respekt vor der Schöpfung haben und an der Menschlichkeit festhalten. Es geht um einen Dialog mit Empathie und Verstand, auch und gerade aufgrund des religiösen Denkens."

Rabbiner Baruch Babaev aus Dortmund verwies darauf, dass wir in einer pluralen Gesellschaft leben, die mehr Fragen und Anfragen stellt, als sie ihren Kindern Antworten bereithält. Er warnte davor, dass Jugendliche sich auch deshalb vom Extremismus angezogen fühlten, weil er klare Positionen zu vermitteln scheine. In der anschließenden Diskussion der Referenten und dem Publikum unter Moderation des evangelischen Vorsitzenden, Dr. Markus Hentschel, wurde deutlich, dass einerseits vermeintlich einfache Antworten auf die Fragen zum Sinn des Lebens und dem Willen Gottes für die Menschheit eine Gefahr bergen, dass aber andererseits die Fähigkeit vermittelt werden muss, wie komplexe und differente Fragen und Antworten auszuhalten sind.

Der diesjährige Beitrag der jungen Generation kam von Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Schloß Neuhaus. Sie berichteten von ihrer Reise ins Konzentrationslager Auschwitz und dass diese Reise für sie alle ein sehr tiefschürfendes emotionales Erlebnis gewesen sei. Nach ihrer Rückkehr seien sie dann darüber informiert worden, dass ihre Sporthalle zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut werden müsse. Eindrucksvoll veranschaulichten sie, wie sie dann für 184 "neue Nachbarn" aus 18 Ländern mit Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer Hilfsaktionen organisierten und sich für ein gelingendes Miteinander durch Treffen mit Flüchtlingskindern oder die Sammlung von Sachspenden einsetzen.

Die musikalischen Beiträge gestaltete das Streichquartett Canzonetta, die Musikerinnen gaben der Feierstunde ihren klingenden Rahmen.

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