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Zeuge des Holocaust aus Westfalen: Neue DVD des LWL porträtiert Kurt Gerstein |
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Dienstag, 30 Januar 2007 | Autor: LWL
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 | | ´Ein spannendes und formal überzeugendes Porträt´ urteilt das Kurt-Grimme-Institut über den Film. Foto: LWL-Medienzentrum | Münster/Hagen/Bielefeld. Eine der "merkwürdigsten,
widersprüchlichsten und auch unheimlichsten Figuren des Widerstands im Dritten
Reich" hat der Schauspieler Ulrich Tukur Kurt Gerstein genannt. Jetzt erinnert
der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit einem Filmporträt an den in Münster
geborenen Augenzeugen des Holocaust. "Ein spannendes und formal überzeugendes
Porträt", urteilt das Kurt-Grimme-Institut über den Film.
"Das Leben Kurt
Gersteins ähnelt einer Achterbahnfahrt", meint Dr. Markus Köster, Leiter des
LWL-Medienzentrums für Westfalen, das den Film gemeinsam mit dem
Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen und der
Matthias-Film gGmbH als DVD für die Bildungsarbeit herausgebracht hat
 | | Kurt Gerstein (2.v.links) im Kreis von Jugendfreunden. Foto: Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen | Gersteins Elternhaus steht auf der Heerdestraße in Münster. Hier wurde er am 11.
August 1905 als Sohn des Landgerichtspräsidenten Ludwig Gerstein und seiner Frau
geboren. Hier verlebte er die ersten sechs Jahre seines Lebens. In den 1920er
Jahren fand Gerstein, dessen Jugend von häufigen Umzügen geprägt war und der
vielleicht auch deshalb als schwieriges Kind galt, seine geistige Heimat in der
protestantischen Jugendbewegung. Nach einem Bergbaustudium wurde er 1933 auf
Drängen der Familie, aber auch aus beruflichen Gründen, Mitglied der NSDAP. Noch
im gleichen Jahr protestierte Gerstein, der inzwischen in Hagen lebte, als
Bundesführer im Bund Deutscher Bibelkreise heftig gegen die Eingliederung der
evangelischen Jugend in die HJ. Drei Jahre später führte seine andauernde Kritik
an antichristlichen Tendenzen des nationalsozialistischen Regimes zu seinem
Ausschluss aus der NSDAP; es folgten mehrere Festnahmen, KZ-Haft und ein
Berufsverbot.
 | | Kurt Gerstein (1905-1945) in der Uniform der SS. Foto: Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen | 1941 vollzog sich dann eine weitere, ausgesprochen
überraschende Wende in Gersteins Leben: Als Freiwilliger trat er in die
Waffen-SS ein. Seinen konsternierten Freunden erklärte er, einen Blick hinter
die Kulissen des Terrorregimes, "in die Feueröfen des Bösen" tun zu wollen. Im
Hygiene-Institut der Waffen-SS machte Gerstein rasch Karriere und gelangte
schließlich tatsächlich in die Vernichtungslager Belzec und Treblinka, wo er
Augenzeuge der Massenvergasung von Juden wurde.
Tief geschockt versuchte
er die internationale Öffentlichkeit zu informieren, fand aber kaum Gehör. Rolf
Hochhuth hat dies 1963 zu seinem berühmten Theaterstück "Der Stellvertreter"
inspiriert. Im Frühjahr 1945 stellte sich der Widerständler in SS-Uniform
freiwillig den Alliierten. Sein Gerstein-Bericht, den er in französischer
Internierung verfasste, ist eine der frühesten und erschütterndsten
Augenzeugendarstellungen des Holocaust. Wenige Monate später wurde Kurt Gerstein
in seiner Zelle im Pariser Militärgefängnis Cherche-Midi erhängt aufgefunden,
wahrscheinlich hatte er Selbstmord begangen.
Nach dem Krieg galt er
zunächst als "belastet"; erst 1965 wurde er rehabilitiert. "Bis heute lässt
Gersteins erstaunliche Biografie immer noch viele Fragen offen, seine Person
sperrt sich gegen alle gängigen Täter-Opfer-Kategorisierungen der
nationalsozialistischen Zeitgeschichte" so Markus Köster.
Trotzdem ist er
sich gemeinsam mit dem Leiter des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen
und Nachlassverwalter Gersteins, Prof. Dr. Bernd Hey, sicher, dass sich auch
Schüler im Geschichtsunterricht mit Kurt Gerstein beschäftigen sollten:
"Gersteins Leben und Handeln zeigen exemplarisch, dass es in der NS-Diktatur
nicht nur schwarz oder weiß gab, sondern viele Facetten und Schattierungen, die
es in der historischen Erinnerung wahrzunehmen und weiterzugeben gilt", so die
beiden Historiker.
Der Film "Kurt Gerstein - Der Christ, das Gas und der
Tod" von Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis veranschaulicht dies auf
eindrucksvolle Weise. Anhand von historischen Dokumenten, Zeitzeugenaussagen und
aktuellen Interviews - u.a. mit dem Theaterregisseur Rolf Hochhuth sowie dem
Schauspieler und Gerstein-Darsteller Ulrich Tukur - schildert das ursprünglich
im Auftrag des WDR entstandene Porträt das wechselvolle Leben des Kurt Gerstein
und seine Rezeption nach 1945. Am 29. Januar wird die DVD-Edition in
Anwesenheit von Hagens Oberbürgermeister Peter Demnitz, LWL-Direktor Dr.
Wolfgang Kirsch und dem Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred
Buß, im Historischen Centrum Hagen erstmals der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Kurt Gerstein Der Christ, das Gas und der
Tod Ein Film von Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis DVD-Edition
herausgegeben im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der
Evangelischen Kirche von Westfalen und der Matthias-Film gGmbH Film ca. 30
Minuten 44-seitigem Begleitheft 14,90 Euro plus Versandkosten 45 Euro mit
dem Recht zur Öffentlichen Vorführung und zum Verleih Bezug:
LWL-Medienzentrum für Westfalen (medienzentrum@lwl.org, Fax: 0251/591-3982) oder
im Buchhandel |